MITVERANTWORTUNG FÜR DAS FINANZDEBAKEL DES MUSEIONS IST ZU KLÄREN
Der Stiftungsrat des Museions hat gestern die vorläufige Hochrechnung des Museion-Defizits präsentiert: 800.000 € ungedeckte Ausgaben sprechen jeder verantwortungsvollen Gebarung Hohn und sind für den Steuerzahler eine schwere Belastung.
- Dass die nunmehr entlassene Direktorin Diserens die Hauptverantwortung an dem Debakel trägt, ist inzwischen erwiesen. Sie hat mit ihrem Verhalten nicht allein ein Finanzloch riesigen Ausmaßes aufgerissen, sondern auch den Ruf zeitgenössischer Kunst schwerwiegend beschädigt. Nun sehen sich all jene bestätigt, die das Kunstwerk von Kippenberger vehement abgelehnt haben – der Frosch und der Umgang von Diserens mit öffentlichen Geldern werden künftig in einem Atemzug genannt werden: als Beweis für die Sinnlosigkeit und Überteuerung zeitgenössischer Kunst.
- Der Stiftungsrat muss sich aber auch fragen lassen, weshalb er es zugelassen hat, dass in einem derart horrenden Ausmaß an ihm vorbei gewirtschaftet wurde. Was nützt die Präsenz prominenter Wirtschaftsberater á la Heinz Peter Hager in einem Aufsichtsgremium, wenn dessen Mitglieder nicht zu einem zeitgerechten Controlling imstande sind? War die Gebarung der Direktorin nicht bereits vor Eröffnung ersichtlich? Auch der Stiftungsrat muss in diesem Fall seine Verantwortung in entschiedener Form offen legen.
- Die Überdotierung des Museions liegt aber auch in der Verantwortung der Südtiroler Landesregierung. Sie hat dem Museion einen Budget- und Personalrahmen eröffnet, von dem andere Museen im Lande nur träumen können. Es bleibt das Geheimnis der Landesregierung, weshalb bestens laufende Landesmuseen mit über 100,000 Besuchern im Jahr mit einem Bruchteil des Museions-Budgets (2008: 2.440.000 €) auskommen müssen. Der Fall sollte auch Anlass sein, um die Museumspolitik des Landes gründlich zu überdenken.
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