WELCHE ZUKUNFT FÜR DIE SEISERALM?
Landschaftsparadies Dolomiten oder Goldgrube der totalen Vermarktung ?
Moratorium: Auch die Grüne Landtagsfraktion fordert – wie das Landesamt für Landschaftsschutz – eine Nachdenkpause für die Alm. Diese soll so lange gelten, bis ein allgemein gültiges touristisches Entwicklungskonzept zur Verfügung steht.
Der Tourismus auf der Seiseralm floriert. Allen Unken-Rufen zum Trotz hat die zeitweilige Schließung der Straße auf die Alm das Gegenteil der Befürchtungen bewirkt: Der Gästezustrom hat sich in den letzten 10 Jahren weit mehr als verdoppelt. Die Folge ist eine besorgniserregende Bautätigkeit im Tourismusbereich, die viele Fragen der zukünftigen Entwicklung auf der Seiseralm offen lässt. Zur Veranschaulichung: In den letzten zwei Jahren wurden 20 % der Baukonzessionen der Großgemeinde Kastelruth für Bauten auf der Seiseralm erteilt, wo nicht einmal 3 Prozent der Gemeinde-Ansässigen leben.
Infolge Intensivierung und Verbauung ist das ursprüngliche Bergblumenparadies der Seiseralm bereits großteils verschwunden, die einmalige Naturlandschaft und die für Mensch und Fauna notwendige Ruhe stark beeinträchtigt. Die unberührte Seiseralm gibt es heute schon fast nur mehr auf den Werbeprospekten!
Wie soll es weitergehen mit der größten und schönsten Alm Europas, Naturschutzgebiet, Naturpark und Teil der Dolomiten, die zum Unesco Weltkulturerbe ernannt werden sollen?
Es braucht dringend: • einen Masterplan für die gesamte Seiseralm mit klaren Zielvorgaben über die touristische Entwicklung – wie viel mehr Gäste kann die Alm überhaupt verkraften, wie viel mehr Aufstiegsanlagen, Hotels, Restaurants, Ausschänken, quantitative und qualitative Erweiterungen sind vertretbar, wenn Naturschutz noch ein echtes Anliegen sein soll;
• einen Verkehrsplan, der den Verkehr auf sämtlichen bereits vorhandenen und in Zukunft noch zulässigen Aufstiegsanlagen und Zufahrtsmöglichkeiten aus den Tälern und auf der Alm langfristig regelt; der alternative Mobilitätsmittel aufzeigt, die auf der Alm als Zubringer zu den Hotels eingerichtet werden (Pferde-Schlitten, Elektro-Shuttel-Dienst); dies ist besonders wichtig im Hinblick auf die Klärung der Frage, ob Hotels eigene Tiefgaragen brauchen und bauen dürfen, ob der Bau der Tiefgarage in Kompatsch Sinn macht und zulässig ist (s. UVP Umlaufbahn), ob es neue Tiefgaragen an der Talstation in Seis braucht, etc., ob ein Projekt Umlaufbahn von Kastelruth nach Marintzen oder ein Sessellift von Monte Pana nicht die Seiseralm endgültig zum Rummelplatz verdammen würden;
• eine Überarbeitung der urbanistischen Bestimmungen für Berggebiete und eine sorgfältige Überprüfung der aktuellen urbanistischen Entwicklungen auf der Seiseralm mit den Bestimmungen des „Landschaftlichen Gebietsplanes“ und des Urbanistikgesetzes (qualitative und quantitative touristische Erweiterung); s. auch widerrechtlicher unterirdischer Ausbau von Kochhütten und Stadeln! |