"LENTIUS, PROFUNDIUS, SUAVIUS"
GRÜNE    UMWELT    BESCHLUSSANTRÄGE

    

Mit der fortschreitenden Klimaerwärmung haben europaweit alpine Gletscher in besorgniserregendem Ausmaße sowohl an Eisvolumen als auch an Oberfläche verloren. Der Verlust der Gletscher schafft in den Alpen neue ökologische und auch ökonomische Probleme. Neben dem lebenswichtigen Wasserspeicher für eine langfristige Trinkwasserreserve geht mit dem Gletschereis ein wichtiges landschaftsästhetisches Element verloren, von dem der Alpentourismus 200 Jahre lang profitieren konnte.

Bei uneingeschränkt fortwährenden Emissionen von Treibhausgasen  wird auch der Wintertourismus, der in den Alpen einseitig auf Skisport ausgerichtet ist, in naher Zukunft in Regionen mittlerer Höhe kaum mehr möglich sein. Die Schneesicherheit in den Wintersportorten Südtirols ist heute schon nur mehr mit künstlicher Beschneiung gewährleistet. Die Folge ist, dass kapitalstarke Tourismus-Unternehmen  mit ihren Aufstiegsanlagen und Erschließungsprojekten bis in die Gletscherregionen vordringen möchten, um eine möglichst lange Skisport-Saison zu ermöglichen. 

Eine Erschließung der Gletscher würde eine zusätzliche, in ihrem Ausmaße noch ungeahnte Beeinträchtigung der lebenswichtigen Wasserspeicher und sensiblen Klimaindikatoren mit sich bringen. Mit neuen Liftanlagen im Gletscherbereich wird der Massentourismus angelockt, der in diesen Höhenlagen eine noch größere Belastung darstellt, als im Tale. Welche Auswirkungen Schadstoffe wie Fette, Öle und Salze, die ins Grundwasser gelangen können, auf das sensible Hochgebirge-Ökosystem haben können, ist bis heute noch kaum erforscht. Zudem gehören Gletscher zu den letzten Ruhezonen im Hochgebirge und sind ein wichtiger Bestandteil einer attraktiven Landschaft.

In Österreich wurden bereits vor 20 Jahren Gletscher unter Schutz gestellt (s. Vorarlberg und Kärnten). Das Tiroler Naturschutzgesetz 1997 sieht vor, dass die Gletscher Tirols vor nachhaltiger Beeinträchtigung zu schützen sind. Auch in der Alpendeklaration der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino vom Jänner 2001 ist festgehalten, dass eine weitere Erschließung von Gletschergebieten abzulehnen ist.

  • vorausgeschickt, dass weder landschaftliche Unterschutzstellungen (ausgenommen die wenigen Naturpark-Gletscher) noch der Landesplan für Aufstiegsanlagen den speziellen Schutz der Gletscher vorsieht; 
  • vorausgeschickt, dass die Gletscher jedoch ein europäisches Naturerbe von unschätzbarem Wert sind,

fordert der Südtiroler Landtag die Landesregierung auf,

sich mit gesetzlichen Maßnahmen eindeutig für den Schutz der Südtiroler Gletscher einzusetzen, indem neue touristische Erschließungen in Gletschergebieten untersagt werden.

Bozen, den 26. März 2007

Cristina Kury
Hans Heiss
Riccardo Dello Sbarba


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