PROJEKT UMLAUFBAHN RIED-KRONPLATZ MIT NEUER ABFAHRTSPISTE
Neuerschließung am Kronplatz mit Anbindung an die Eisenbahn bei Percha ist abzulehnen. Die umwelt- und verkehrspolitischen Argumente der Projektbetreiber sind nicht gerechtfertigt, da eine Vergrößerung des Skigebiets und Erhöhung der Förderkapazität, ein landschaftlich und historisch sehr wertvolles Gebiet in schwere Mitleidenschaft zieht. Ist das Ziel dieses Projekts wirklich eine Aufwertung der Bahn und ihrer Rolle für den Skitourismus, so gibt es dafür sicherlich wirksamere und verträglichere Lösungen.
Beschlussantrag
Vorauszuschicken ist, dass dem Ausbau und der Aufwertung der Pustertaler Bahn sowie einer Anbindung des Kronplatzes an die Bahnlinie, die es ermöglicht, einen möglichst großen Teil des Skiverkehrs auf öffentliche Verkehrsmittel zu verlagern und damit vor allem das Gemeindegebiet von Bruneck und St. Lorenzen von der winterlichen Autoflut zu entlasten, grundsätzlich zuzustim-men ist.
Das Projekt einer neuen Aufstiegsanlage am Nordosthang des Kronplatzes mit einer neuen Abfahrtspiste nach Percha ist im Landesskipistenplan nicht vorgesehen und schon aus diesem Grund abzulehnen.
Abzulehnen ist das Projekt jedoch auch aus folgenden Überlegungen:
• Unter dem Deckmantel einer ins Auge gefassten Bahnanbindung in Percha will die Kronplatz Seilbahn AG eine groß angelegte Neuerschließung durchbringen. Damit wird auf eine weitere quantitative Steigerung des Skibetriebs am Kronplatz hingearbeitet. Es kann aber nicht von Verkehrsberuhigung bzw. Verkehrsverlagerung gesprochen werden, solange der Gesamtverkehr weiter gesteigert und gerade der Tagestourismus weiter forciert wird.
• Das Projekt würde einen schweren Eingriff in eine sehr wertvolle Natur- und Kulturland-schaft bedeuten: die Nordostseite des Kronplatzes, die bisher von der skitouristischen Erschließung verschont blieb, die Weiler Walchhorn und Ried, die Rienzschlucht. Dabei ist nicht nur der unmittelbare landschaftliche eingriff zu bedenken, sondern auch die mittelfristigen Folgen durch weitere Infrastrukturen, Erschließungen, usw.
• Ein weiterer Ausbau des Skigebiets mit einer neuen Talabfahrt ist auch angesichts der Klimaveränderung eine fragliche Strategie und mit enormem zusätzlichen Energie- und Wasserverbrauch verbunden. Die jüngste OECD-Studie zum Thema Klimaveränderung und Skitourismus warnt z. B. davor, sich nur auf die künstliche Beschneiung zu verlassen, da diese in vielen Fällen in Zukunft nicht mehr wirtschaftlich sein wird. • Eine maßgebliche Entlastung für Bruneck und St. Lorenzen durch dieses Projekt ist nicht anzunehmen, da es sich um ein Zusatzangebot handelt, das weder die Förderkapazität noch die Parkplätze an der Talstation in Reischach verringert. Ebenso wenig ist mit restriktiven Verkehrsregelungen in Reischach zu rechnen. Unter diesen Umständen wird nur ein geringer Teil der Gäste mit der Bahn anreisen. Ein Teil der Bahnanreisen wird zudem durch das Projekt neu generiert und nicht von der Straße auf die Schiene verlagert.
• Dass es nur durch dieses Projekt möglich wird, einen Halbstundentakt zwischen Bruneck und Innichen zu erreichen und in Percha eine Bahnhaltestelle zu errichten, ist ein Argument ohne jede Grundlage.
Eine Anbindung an die Pustertaler Bahn lässt sich wesentlich sinnvoller durch eine Verbindungsbahn zwischen dem Bahnhof Bruneck und der Talstation in Reischach realisieren. Mit der Verwirklichung des Mobilitätszentrums wird der Bahnhof definitiv zum Verknüpfungspunkt aller öffentlichen Verkehrslinien des Brunecker Raumes und damit zu einem wesentlich geeigneteren Umsteigepunkt als die Rienzschlucht bei Percha. Eine solche Verbindungsbahn hätte zudem auch einen Zusatznutzen als reguläres öffentliches Verkehrsmittel.
All dies vorausgesetzt,
fordert der Südtiroler Landtag die Landesregierung auf
das Vorhaben neue Umlaufbahn und Skipiste „Ried-Kronplatz-Percha“ entschieden abzulehnen und an dessen Stelle Pläne einer echten Verkehrsberuhigung mit effizienten und zukunftsfähigen Lösungen - wie etwa einer Verbindungsbahn zwischen dem Bahnhof Bruneck und der Talstation in Reischach – zu unterstützen.
Bozen, den 24. Januar 2007
Cristina Kury Hans Heiss |